
Deutscher Wald im Wandel
Der Wald als zentrales Element
Der Wald in Deutschland nimmt eine zentrale Rolle in der Landschaftsstruktur des Landes ein und bietet weit mehr als nur eine natürliche Kulisse für Erholung und Freizeitaktivitäten. Neben seiner Bedeutung für die Artenvielfalt und den Klimaschutz erfüllt der Wald wichtige Funktionen in der Forstwirtschaft, die sowohl den natürlichen Kreislauf als auch die Bedürfnisse der Gesellschaft widerspiegeln. Besonders im Hinblick auf den Klimawandel und die damit verbundenen Herausforderungen sind Waldbewirtschaftung und -nutzung aktuell stärker in den Fokus gerückt. Dabei steht der Wald nicht nur für eine Ressource, sondern auch für ein zentrales Element unseres ökologischen Erbes.
Jeder dritte Quadratmeter in Deutschland ist Wald
Die Gesamtwaldfläche in Deutschland beläuft sich auf 11,5 Millionen Hektar, was rund einem Drittel der gesamten Landesfläche entspricht. Laut der Bundeswaldinventur 2022 ist der Wald damit nach der Landwirtschaft (52 %) die zweithäufigste Landnutzungsform in Deutschland, die noch vor den Siedlungsgebieten liegt, die 13 % ausmachen. Im europäischen Vergleich reiht sich Deutschland mit seinem Waldanteil knapp hinter Norwegen ein. Die waldreichsten Bundesländer in Deutschland sind Hessen und Rheinland-Pfalz, sie weisen jeweils 43 % Waldanteil auf. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Waldfläche in Deutschland insgesamt sogar leicht gewachsen.
Wald ist nicht gleich Wald - Baumarten im deutschen Wald
Für den erfahrenen Waldspaziergänger macht es einen großen Unterschied, ob er durch einen lichten Kiefernwald oder einen feuchten Buchenwald wandert – jeder Wald hinterlässt eigene Eindrücke. Doch nicht nur Spaziergänger und Wanderer nehmen diese Unterschiede wahr: Auch für Förster spielt die Zusammensetzung eine entscheidende Rolle, schließlich hängt davon ab, wie der Wald bewirtschaftet wird. Nicht zuletzt bestimmt sie auch, welche Tierarten dort leben.
Vor allem die Baumart prägt den Charakter eines Waldes und ist sein wichtigstes Unterscheidungsmerkmal. Fast die Hälfte der Waldfläche in Deutschland ist mit Nadelbaumarten bestockt. Dabei dominieren die Kiefer und die Fichte, die am häufigsten vertreten sind, gefolgt von der Douglasie, Lärche und Tanne. Die andere Hälfte besteht aus Laubbaumarten. Hier ist die Buche die häufigste Art, gefolgt von der Eiche. Daneben finden sich in kleineren Anteilen auch Birke, Esche, verschiedene Ahornarten und noch weitere Laubbaumarten.
Ein Baum macht noch keinen Wald
Doch ab wann spricht man eigentlich von einem „Wald“? Auf internationaler Ebene existieren unterschiedliche Kriterien dafür, ab wann eine Plantage oder Baumgruppe als Wald gilt. Die Food Agriculture Organisation (FAO) der Vereinten Nationen etwa definiert eine Fläche erst dann als Wald, wenn sie mindestens 0,5 Hektar groß ist, dort Bäume über 5 Meter Höhe wachsen und diese mindestens 10 % der Fläche bedecken.
In Deutschland gibt das Bundeswaldgesetz (§ 2) eine eigene Definition vor. Demnach gilt als Wald eine mit Forstpflanzen bestockte Grundfläche, selbst dann, wenn sie Lichtungen, Kahlflächen und Waldwege aufweist. Die Bundesländer dürfen diese Definition noch weiter präzisieren. So setzt Niedersachsen beispielsweise zusätzlich ein waldtypisches Binnenklima als Kriterium voraus.
Wem gehört der Wald?
Die Besitzverhältnisse des Waldes in Deutschland sind im internationalen Vergleich oder auch im Verhältnis zur Landwirtschaft ein Sonderfall. Knapp die Hälfte des Waldes befindet sich in privatem Besitz. Der Staatswald des Bundes macht 3 %, der Staatswald der Bundesländer 29 % und die Körperschaftswälder der Kommunen 20 % aus (Bundeswaldinventur 2022).
Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland etwa 1,8 Millionen Waldbesitzer. Die meisten Waldbesitzer verwalten eher kleine Waldflächen von unter 20 Hektar. Viele dieser Flächen sind seit Generationen im Familienbesitz und dienten früher der Versorgung von Haus und Hof mit Brennholz. Die komplexen Eigentumsstrukturen und die Vielzahl an Eigentümern mit unterschiedlichen Interessen führen zu einem wachsenden politischen Diskurs, insbesondere in der Debatte um Waldbewirtschaftung und Naturschutz.
Der Wald in Deutschland ist ein Mulitalent
Der integrative Ansatz
Der Wald in Deutschland ist nicht nur in seiner Artenvielfalt beeindruckend, sondern auch in seinen zahlreichen Funktionen. Die zahlreichen Waldfunktionen werden in der Regel in drei Gruppen zusammengefasst: Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion. Gerade in Deutschland steht die nachhaltige und langfristige Sicherung aller Waldfunktionen im Vordergrund der Waldbewirtschaftung. Dieser Grundsatz ist sogar in § 1 des Bundeswaldgesetzes verankert.
In vielen Staaten wird der Wald segregativ bewirtschaftet, was bedeutet, dass eine räumliche Trennung der Waldfunktionen in strenge Schutzzonen und wenig eingeschränkte Nutzungszonen erfolgt. Während diese Trennung die Verwaltung der einzelnen Zonen erleichtert, kann sie gleichzeitig zu einer Fragmentierung der Landschaft und einer Minderung der ökologischen Vielfalt in den Nutzungszonen führen. Die deutsche Forstwirtschaft verfolgt daher schon in langer Tradition einen integrativen Ansatz in der Waldbewirtschaftung, bei dem Nutzung und Schutz möglichst auf derselben Fläche vereint werden. Strenge Schutzgebiete gibt es zwar auch hier, doch auf dem Großteil der Waldfläche soll eine nachhaltige Waldnutzung stattfinden. Ziel ist es, sowohl die heimische Tier- und Pflanzenwelt und deren Lebensräume zu erhalten als auch die Nachfrage nach Holz aus heimischen Wäldern zu befriedigen.
Dieses Zusammenspiel von Nutzung und Naturschutz ermöglicht gleichzeitig ein Waldbild mit hohem Erholungswert für die Bevölkerung. Der Klimawandel und der globale Rückgang an Biodiversität stellen das Prinzip der Multifunktionalität jedoch zunehmend zunehmend vor Herausforderungen und erfordern Lösungen, um das Waldmanagement aller Waldfunktionen langfristig zu erhalten.

Die Schutzfunktionen des Waldes
Der Wald ist primärer Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten in Deutschland. Viele davon sind an den Wald gebunden und sogar auf bestimmte Baumarten angewiesen. Zahlreiche Säugetiere, Vögel und Insekten finden hier Nahrung, Schutz und Brutplätze. Gleichzeitig bietet der Wald seltenen Pflanzenarten ein stabiles Habitat und trägt durch seine feuchtigkeitsregulierende Funktion zum Erhalt von Moosen und Flechten bei. Auch Pilze profitieren von einer intakten Waldökologie, indem sie als Destruenten zur Nährstoffkreislaufführung beitragen.
Wälder spielen außerdem eine zentrale Rolle im Wasserhaushalt und im Schutz vor Erosion. Laubwälder gelten in dieser Funktion als höherwertiger als Nadelwälder. Das dichte Blätterdach der Bäume bremst den Niederschlag und verringert so die Aufprallenergie des Regens auf den Boden. Das Wurzelwerk der Bäume stabilisiert den Boden, verhindert das Abrutschen von Hanglagen und fördert die Speicherung des Wassers in den Boden. Dadurch tragen Wälder zur Grundwasserneubildung bei und senken das Hochwasserrisiko. Die Grundwasserneubildung unter Wäldern spielt in Deutschland eine zentrale Rolle in der Erhaltung der Trinkwasserressourcen. Kahlschläge oder intensive Befahrung des Waldbodens können diese Schutzmechanismen erheblich beeinträchtigen. Besonders in Gebirgsregionen sind Wälder unverzichtbar für den Schutz vor Muren, Hangabbrüchen und Lawinen. In den Alpen ist sogar ein Großteil des Waldmanagements speziell auf diese Schutzfunktion ausgelegt und hat dort höchste Priorität. Die nachhaltige Forstwirtschaft in Deutschland setzt auf schonende Bewirtschaftungsmethoden, um die Schutzfunktion des Waldes langfristig zu erhalten.
Zudem leistet der Wald einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz. Bäume binden das Treibhausgas Kohlendioxid (CO₂) und speichern es langfristig in ihrer Biomasse. Auch der Waldboden bindet langfristig eine signifikante Menge an Kohlenstoff in Form von Humus. Die nachhaltige Forstwirtschaft in Deutschland sorgt dafür, dass Holzprodukte langfristig Kohlenstoff speichern, während gleichzeitig neue Bäume nachwachsen. Allerdings zeigte die letzte Bundeswaldinventur 2022, dass sich die Wälder in Deutschland aufgrund des globalen Klimawandels in einem kritischen Zustand befinden und ihre Funktion als Kohlenstoffspeicher nur eingeschränkt ausschöpfen können. Ziel ist es daher, die Widerstandsfähigkeit der Wälder zu stärken, um diese Funktion langfristig zu erhalten.
Zusätzlich tragen Wälder zur Temperaturregulation bei. Sie spenden Schatten, fördern die Verdunstung und mildern so extreme Temperaturspitzen ab. In städtischen Räumen und Siedlungsgebieten ist dieser Effekt besonders spürbar, wenn man an einem heißen Tag aus der Stadt in den Wald geht.
Die Nutzfunktion des Waldes
Holz ist einer der vielseitigsten und nachhaltigsten Rohstoffe der Welt. Es zeichnet sich durch eine hohe Anpassungsfähigkeit aus und kann in verschiedenen Bereichen Anwendung finden, darunter im Bauwesen, in der Möbelproduktion, in der Papierherstellung und in der Energiegewinnung. Besonders in Zeiten steigender Ressourcenknappheit gewinnt Holz als ressourcenschonende Alternative zu energieintensiven Baustoffen wie Beton oder Stahl zunehmend an Bedeutung. In Deutschland erfolgt die Holzernte nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit: Im Rahmen des nachhaltigen Wirtschaftens erfolgt die Entnahme von Holz nur in dem Umfang, der durch die natürliche Regenerationsfähigkeit des Waldes gedeckt ist. Dieses Prinzip ist in der deutschen Forstwirtschaft seit Jahrhunderten fest verankert.
Regelmäßige Inventuren und eine gute Planungsgrundlage sind essenziell, um diese Nachhaltigkeit zu gewährleisten. In der forstwirtschaftlichen Praxis sind größere Forstbetriebe daher dazu angehalten, mindestens alle zehn Jahre eine Vollinventur ihres Waldes durchzuführen, bei der der Holzvorrat und die Baumartenzusammensetzung erfasst werden. Auf Grundlage diese Daten wird anschließend der nachhaltige Hiebsatz errechnet. Der Hiebsatz gibt an, welche Menge an Holz in den kommenden Jahren geerntet oder in der nächsten Durchforstung entnommen werden kann. Auch auf Bundesebene findet alle zehn Jahre die Bundeswaldinventur statt, die ein Gesamtbild der Wälder in Deutschland liefert. Die letzte Bundeswaldinventur, die im Jahr 2022 abgeschlossen wurde, ergab einen durchschnittlichen Holzvorrat von 335 m³ pro Hektar. Zudem zeigte sich ein Trend zugunsten von Laubbäumen sowie einem Rückgang von Nadelbäumen.
Die heimische Forstwirtschaft verfolgt das Ziel, die Holzernte so zu gestalten, dass die Erholungs-, Schutz- und Nutzfunktionen des Waldes im Gleichgewicht bleibt. Doch gerade die Intensität der Nutzung der Wälder ist zunehmend Gegenstand öffentlicher Diskussionen. Besonders Forstbetriebe, die eine auf die Holzproduktion ausgerichtete Waldbewirtschaftung praktizieren, sind dabei vermehrt Kritik ausgesetzt, insbesondere im Hinblick auf den Naturschutz.
Die Erholungsfunktion des Waldes

Der Wald ist nicht nur Wirtschaftsraum, sondern auch ein wichtiger Erholungsort für die Bevölkerung. Das in Deutschland geltende Waldbetretungsrecht ist in § 14 des Bundeswaldgesetzes verankert und gestattet allen die Betretung des Waldes zu Erholungszwecken. Das gilt unabhängig davon, ob es sich um Staats-, Kommunal- oder Privatwald handelt. Gleichzeitig ist im Gesetz auch das Wegegebot geregelt. Das Wegegebot sorgt dafür, Konflikte mit anderen Funktionen des Waldes zu minimieren.
Der Wald in Deutschland bietet den Menschen Raum für vielfältige Freizeitaktivitäten wie Wandern, Radfahren oder einfaches Entspannen in der Natur. Insbesondere Trail-Running und Mountainbiking erfreuen sich wachsender Beliebtheit, weshalb vermehrt Trails in Stadt- und Kommunalwäldern für diese Sportarten angelegt werden. Laut der Bundeswaldinventur 2022 nutzen zahlreiche Menschen regelmäßig den Wald zur Erholung, was ein Beleg für seine hohe gesellschaftliche Bedeutung ist. Wissenschaftliche Studien belegen, dass der Aufenthalt im Wald das Wohlbefinden steigert und positive Effekte auf die psychische und physische Gesundheit hat. Die natürliche Umgebung des Waldes trägt also nachweislich zur Reduktion von Stress und zur Förderung der Gesundheit bei. Besonders naturnahe, gut erreichbare Wälder mit abwechslungsreicher Struktur werden von der Bevölkerung geschätzt. Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, integrieren Forstbetriebe zunehmend waldpädagogische Angebote, barrierefreie Wege und gezielte Besucherlenkung in das Forstmanagement. Dadurch soll sichergestellt werden, dass der Wald als Erholungsraum langfristig erhalten bleibt.
Die Zukunft des Waldes in Deutschland
Der Wald leidet unter der Klimaerwärmung
Die Waldzustandserhebung 2023 im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zeigt, dass sich die deutschen Wälder in einem kritischen Zustand befinden. Die Erhebung der Kronenverlichtung hat gezeigt, dass nur 20 % der Bäume in einem gesunden Zustand sind. Besonders betroffen sind ältere Bäume über 60 Jahre, während jüngere Bäume weniger geschädigt zu sein scheinen. Als Ursache für diesen alarmierenden Zustand werden die vermehrt auftretenden Dürrejahre und steigenden Temperaturen seit 2018 aufgeführt.
Besonders die Fichte leidet sehr unter den Extremwetterereignissen der letzten Jahre. Sie galt lange als der „Brotbaum“ der deutschen Forstwirtschaft, sie wurde besonders nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund der zu dieser Zeit herrschenden Holznot großflächig in Monokulturen angepflanzt. Genau diese Bestände sind in Folge von Stürmen, Dürren und Borkenkäfern zwischen 2018 und 2021 massiv geschädigt worden und abgestorben. Die Fläche an abgestorbenen Fichtenwäldern in dieser Zeit beläuft sich bundesweit auf 461.000 Hektar (Bundeswaldinventur 2022).
Um eine weitere Ausbreitung des Borkenkäfers zu verhindern und den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen, musste das geschädigte Holz zwangsweise geerntet werden. Zurück blieben kahle Flächen, die an die großflächigen Kahlschläge Skandinaviens oder Kanadas erinnern – ein ungewohntes Bild, dass es in der nachhaltig bewirtschafteten deutschen Forstwirtschaft sonst nicht gibt. Eine der zentralen Herausforderungen des Waldmanagements in Deutschland ist es nun, diese Flächen wieder aufzuforsten. Neben der Fichte scheinen aber auch zunehmend anderen heimische Baumarten wie die Buche, die lange als recht tolerant galt, Schwierigkeiten mit den veränderten Klimabedingungen zu bekommen. Wichtig ist jetzt den neuen Wald so zu gestalten, dass er den zukünftigen Herausforderungen unter dem Klimawandel gewachsen ist.
Aufforstung – Für den Wald von Morgen
Auf den durch das Fichtensterben entstandenen Kahlflächen soll wieder ein stabiler, vielfältiger Wald entstehen, der alle Waldfunktionen erfüllen kann. Für die Wiederbewaldung gibt es verschiedene Strategien. Zum einen kann hier auf die natürliche Waldverjüngung (Naturverjüngung) durch den Anflug von Baumsamen aus umliegenden Wäldern oder auf das Aufkeimen von noch im Boden verbliebenen Samen gesetzt werden. Diese Methode ist kostengünstig, funktioniert jedoch nicht überall, insbesondere nicht auf Flächen, die zu weit von bestehenden Wäldern entfernt liegen oder auf denen sich zunächst nur Gräser und Brombeeren ausbreiten.
Wo die Naturverjüngung nicht ausreicht, oder den von allein wachsenden Baumarten kaum eine Chance zuzutrauen ist, gibt es die Möglichkeit der gezielten Pflanzung. Häufig wird auch eine Mischstrategie versucht: Die Naturverjüngung wird mit zusätzlichen Bäumen aus der gezielten Pflanzung erweitert und diversifiziert und so die Baumartenvielfalt erhöht. Welche Baumarten langfristig den zunehmenden Extremwetterereignissen des Klimawandels standhalten können, ist derzeit Gegenstand vieler Forschungsprojekte. Dabei stellt sich die Frage, ob einige heimische Baumarten überhaupt noch eine Zukunft haben oder ob vermehrt wärmeliebende, fremdländische Baumarten aus dem Süden gepflanzt werden sollten. Diese Entscheidung ist ein zentrales Diskussionsthema der Forstwirte, denn es lassen sich häufig keine pauschalen Aussagen treffen. Entscheidend für die Baumartenwahl sind immer die individuellen Standortvoraussetzungen, die sich auch durch den Klimawandel weiter verändern werden. Aus Naturschutzkreisen gibt es jedoch eine kritische Haltung gegenüber fremdländischen Baumarten hinsichtlich ihres Integrationsvermögens in die heimischen Ökosysteme. Welche Baumarten heute gepflanzt werden, prägt die Wälder von morgen und bestimmt deren ökologische und wirtschaftliche Funktion für kommende Generationen.
Neben der Wiederaufforstung von Kahlflächen spielt auch die Erstaufforstung eine Rolle, insbesondere als Aufforstungsprojekte für Ersatzmaßnahmen. Wenn für Bauprojekte an einer Stelle Wald gerodet wird, muss gemäß § 15 Bundesnaturschutzgesetz an anderer Stelle im selben Naturraum wieder ein neuer Wald gepflanzt werden. Im Regelfall geschieht dies auf Ackerflächen, die wenig ertragreich sind und einen geringen ökologischen Wert aufweisen. Hierbei wird die ökologische Wertigkeit der gerodeten Fläche und der neuen Ersatzfläche in der Regel in Ökopunkten umgerechnet, die von den Bauherren erworben werden müssen.
Wälder fit für die Zukunft gestalten: Waldumbau
Waldumbau bezeichnet die aktive Veränderung der Baumartenzusammensetzung mit einer damit einhergehenden Erhöhung der Strukturvielfalt. Strukturreiche und diverse Wälder sind abiotischen und biotischen Störungen gegenüber widerstandsfähiger. Sie gelten damit als stabiler und anpassungsfähiger im Klimawandel. Eine hohe Strukturvielfalt bedeutet, dass in einem Wald Bäume unterschiedlicher Altersstufen und verschiedener Wuchshöhen beieinanderstehen. Dadurch entsteht ein mehrschichtiger Wald. Mehrschichtige Waldstrukturen mit Unterständen aus Sträuchern und jungen Bäumen tragen dazu bei, dass sich der Wald besser an Klimaveränderungen anpassen kann. Sterben ältere Bäume in einem mehrschichtigen Wald ab, können bereits nachwachsende jüngere, kleinere Bäume diese Lücke füllen. Durch dieses unmittelbare Nachwachsen bleibt das Waldbinnenklima geschützt und Wetterextreme haben weniger Chancen das Ökosystem zu beeinträchtigen. Ein bewährtes Beispiel für Waldumbau ist die Einbringung von Laubbaumarten wie Buche, Eiche oder Hainbuche in einstige Nadelholzreinbestände. Diese Baumarten sind widerstandsfähiger gegen Trockenheit, Stürme und Schädlingsbefall.
Waldumbau ist keine neue Idee, die erst mit den zunehmenden Klimaextremen aufkam. Bereits in den 1980er Jahren wurde deutlich, dass großflächige Monokulturen aus wirtschaftlich interessanten Baumarten wie Fichte und Kiefer anfällig für Umweltbelastungen sind. Das sogenannte Waldsterben, das durch Luftschadstoffe wie Schwefeldioxid (SO₂) und sauren Regen ausgelöst wurde, war ein weit verbreitetes Phänomen in diesen Reinbeständen. Ganze Waldbestände erlitten massive Schäden, was die Schwächen dieser Bewirtschaftungsweise und die Notwendigkeit eines naturnäheren Waldbaus sichtbar machte. In der Folge begannen Forstwissenschaftler und Waldbesitzer vermehrt die Wälder umzubauen und Mischwälder zu etablieren, um die Widerstandsfähigkeit der Wälder zu erhöhen.
Heute dient der Waldumbau nicht nur dem Naturschutz, sondern auch als Risikostreuung für die Forstwirtschaft. In Zeiten des Klimawandels setzen Forstbetriebe zunehmend auf eine größere Vielfalt an Baumarten, um das Risiko von Ernteausfällen zu minimieren. Trockenresistentere Baumarten wie zum Beispiel die Traubeneiche oder die Elsbeere werden zunehmend in bestehende Bestände integriert, um den Wald resilienter und resistenter gegen Dürreperioden zu machen. Resilienz bedeutet in diesem Kontext, dass die Bäume sich nach einer Störung schnell wieder erholen könne, wohingegen Resistenz eine überhaupt geringere Anfälligkeit gegenüber Störungen beschreibt. In einigen Fällen besteht auch Möglichkeit sich den Waldumbau als Ökopunktemaßnahme, wie bei der Erstaufforstung, gutschreiben zu lassen.

Herausforderung Waldbesitz
Wald im Fokus politischer Interessen und gesellschaftlicher Ansprüche
Die Multifunktionalität und die emotionale Bedeutung des Waldes macht ihn zu einem zentralen politischen und gesellschaftlichen Konfliktfeld. Die Frage, wie wir unsere Wälder nutzen oder schützten, wird zunehmend diskutiert. Während es Ende des letzten Jahrhunderts beim Thema Waldsterben vor allem um den grundsätzlichen Erhalt der Wälder ging, rückt heute die Nutzung – besonders die Intensität der stofflichen Nutzung des Waldes – in den Mittelpunkt. Kaum ein Umweltthema in Deutschland wird so intensiv diskutiert wie der Wald.
Waldmanagement: Langfristiges Denken und vorausschauendes Handeln
Das langsame Wachstum und die lange Lebenserwartung unserer Bäume erfordern ein vorausschauendes und langfristiges Management unserer Wälder. In bewirtschafteten Beständen kalkulieren Försterinnen und Förster beispielsweise bei der Buche einen Zeitraum von rund 120 Jahren zwischen Pflanzung und Ernte ein. Bei der Eiche wird sogar eine Umtriebszeit von 180 Jahren bemessen, bis ein Baum geerntet und je nach Qualität zu Möbeln, Parkett oder anderen Holzprodukten weiterverarbeitet werden kann.
Als vor 180 Jahren die heute erntereifen Eichen gepflanzt worden sind, konnte niemand absehen, dass Holz kaum noch für den Schiffsbau eingesetzt werden würde. Ebenso ist ungewiss, welche Verwendung für die heute gepflanzten Eichen in 180 Jahren gefunden wird.
Lohnt sich Waldbesitz?
Angesichts der großen Herausforderungen und des erforderlichen langfristigen Denkens, ist die Frage, ob sich Waldbesitz lohnt, nicht einfach zu beantworten. Die Einnahmen eines Waldbesitzers aus seinem Wald beschränken sich in der Regel auf die Einkünfte aus dem Holzverkauf. Dabei spielen der Standort und die Baumartenzusammensetzung im Wald eine entscheidende Rolle, schließlich soll der Holzverkauf die langfristigen Investitionen in Pflanzung, Pflege und Ernte gewinnbringend decken. In der Vergangenheit erzielten Fichtenbetriebe einen bis zu viermal höheren Deckungsbeitrag als Laubholzbetriebe. Allerdings hat sich auch gezeigt, dass die Fichtenwirtschaft mit einem erheblichen Risiko verbunden ist. Je nach Altersstruktur eines Forstbetriebes können hohe Investitionskosten für die Wiederaufforstung anfallen, aber auch gute Erträge aus der Holzernte erzielt werden.
Die starken Waldschäden der letzten Jahre haben in vielen Forstbetrieben zu einem hohen Investitionsbedarf für den Waldumbau und die Wiederaufforstung geführt. Bereits in den 90er Jahren entstand die Idee, auch die öffentlichen Leistungen des Waldes zu bewerten und monetär zu honorieren. Dies könnte Waldbesitzenden ermöglichen ihre Wälder zu pflegen und nachhaltig zu bewirtschaften, ohne auf die Einkünfte aus dem Holzverkauf angewiesen zu sein. Die Herausforderung besteht jedoch darin, die öffentlichen Leistungen, wie den Erholungswert oder die Schutzfunktion, messbar und handelbar zu machen. Im Vergleich zum handelbaren Stückgut Holz, ist die Quantifizierbarkeit dieser Leistungen noch ungenau: Der Erholungswert oder die Naturschutzleistung lassen sich nicht so leicht messen und noch schwerer verkaufen.
Einige der sogenannten alternativen Geschäftsfelder, wie der Verkauf von CO₂-Zertifikaten, Vertragsnaturschutz, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen oder Bestattungswälder, haben sich bereits auf dem Markt etabliert und wecken zunehmend das Interesse der Waldbesitzenden. Diese neuen Ansätze könnten langfristig dazu beitragen, die Wirtschaftlichkeit des Waldbesitzes zu verbessern und gleichzeitig die ökologischen und gesellschaftlichen Leistungen der Wälder zu sichern.